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Wangerooge erleben und erfahren

Sonne, Salz, See und die Entdeckung der Langsamkeit

Daten und Fakten über die östlichste Insel Ostfrieslands - Tidebus, Fähre und Inselbahn knüpfen durchgehende Reisekette - 200.000 Gäste jährlich

(Wangerooge, 01.09.2014) Wind und Wellen, Salzgeruch liegt in der Luft und die Insel am nördlichen Horizont. Kein Lärm, keine Eile. Die Autos bleiben in Harlesiel auf dem Festland zurück oder gleich ganz zu Hause, und die Hektik auch. Wenn die Fähre nach Wangerooge ausläuft, nimmt sie ihre Passagiere in einen anderen Zeitrhythmus mit.

Mit bedächtigen 9 Knoten (17 km/h) gleiten die weißen Schiffe der Deutschen Bahn der kleinsten Ostfriesischen Insel entgegen. Später „beschleunigt“ die Inselbahn auf Tempo 20, aber größere Geschwindigkeiten sind – abgesehen vom Wind – im Nordseeheilbad so gut wie unbekannt.

Wangerooge lockt jährlich 200.000 Besucher – als Urlaubsgäste oder Tagesausflügler – nicht nur mit Sonne, Salz und See, sondern empfiehlt sich zugleich für die Entdeckung der Langsamkeit. Aber nicht der Langeweile: Wangerooge bietet Urlaubern mit seiner Lage im Nationalpark unter anderem die Möglichkeit, das Wattenmeer hautnah zu erleben.

Mit zahlreichen Veranstaltungen in den Bereichen Sport, Kultur und Unterhaltung, dem Meerwasser-Freizeitbad „Oase“, Kino, Squash- und Tennishalle und Ausflugsmöglichkeiten bietet Wangerooge seinen Gästen weit mehr, als diese von einem „Dorf“ mit rund 1.200 Einwohnern erwarten würden. Gastfreundschaft hat hier übrigens schon eine lange Tradition: Seit mehr als 200 Jahren ist Wangerooge anerkanntes Seebad!

Wangerooge ist – beinahe – autofrei. Abgesehen von Krankenwagen, Feuerwehr und Müllabfuhr sind auf der Insel nur Fahrzeuge mit Elektromotor unterwegs, doch das Hauptverkehrsmittel ist das Fahrrad. Rund 1.000 Mietfahrräder stehen den Gästen zur Verfügung.

Schifffahrt und Inselbahn: Eine einzigartige Reisekette

Ebbe und Flut prägen den Lebensrhythmus auf Wangerooge. Die Zeiten, in denen die östlichste der ostfriesischen Inseln vom Festland aus mit dem Schiff erreichbar ist, bestimmen die täglich wechselnden Gezeiten. Die Überfahrt dauert 45 bis 60 Minuten und ist nur in einem sechsstündigen Zeitfenster vor und nach dem Hochwasser möglich.

Anschließend muss der Fährverkehr wegen zu geringer Wassertiefe für jeweils sechs Stunden ruhen. Weil sich die Zeit des Hochwassers täglich um rund eine Stunde verschiebt, ändert sich auch der Fahrplan Tag für Tag. Allen Launen der Natur zum Trotz knüpft die DB an 365 Tagen im Jahr eine durchgehende Reisekette von jedem Bahnhof bis Wangerooge.

Tidebus, Fähre und Inselbahn befördern Einheimische und Urlauber täglich auf die autofreie Insel und wieder zurück. In der Hochsaison gibt es bis zu fünf Überfahrten pro Tag. An Spitzentagen befördern Inselbahn und Schiffe bis zu 1.500 Fahrgäste je Richtung, insgesamt sind es über 200.000 pro Jahr. Nur starker Eisgang und schwere Sturmfluten können Wangerooges Lebensader vorübergehend abschneiden.

Die Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge steht unter der Regie der DB Fernverkehr AG, einer hundertprozentigen Tochter der Bahn. Für den reibungslosen Betrieb sorgen rund 55 Mitarbeiter, die im Hochsommer Verstärkung durch Saisonkräfte erhalten.

Für die unkomplizierte Anreise können Fahrkarten von allen Bahnhöfen direkt nach Wangerooge gebucht werden, alle Verkehrsmittel inklusive. Für Autofahrer stehen am Festlandshafen in Harlesiel Parkplätze und Garagen zur Verfügung – die PKW-Mitnahme auf die Insel ist nicht möglich.

Wer sein Auto gleich ganz zu Hause lässt, hat von zwei DB Bahnhöfen Busanschluss zur Fähre in Harlesiel: Bei der Anreise über Oldenburg steigt man am Bahnhof Sande in den „Tidebus“ um, bei der Anreise über Leer/Emden am Bahnhof Norden in den „Küstenlinie“. Das Reisegepäck wird am Hafen Harlesiel eingecheckt und bis zum Inselbahnhof befördert, ohne dass die Reisenden selbst Hand anlegen müssen. Urlauber, die mit der Bahn anreisen, können ihre Koffer auch per DB Gepäckservice zu Hause abholen lassen und direkt an ihr Ferienquartier zustellen lassen.

Besucher erhalten an den DB Schaltern in Harlesiel ihre persönliche „WangeroogeCard“, die sowohl Fahrkarte für Schiff und Inselbahn ist, als auch während des gesamten Aufenthalts als Kurkarte gilt. Auf der Insel nutzt man mit der WangeroogeCard alle Serviceleistungen der Kurverwaltung und begleicht seine Rechnung einschließlich der Kurtaxe vor der Abreise in einem der vier ServiceCenter auf Wangerooge.

Die Fähren: „Schlickrutscher“ mit 1,20 Meter Tiefgang

Das Flaggschiff Wangerooge hat eine Kapazität von bis zu 760 Passagieren. Das 1985 gebaute Schiff ist 45 Meter lang, 10 Meter breit und wird von Dieselmotoren mit 1080 kW Leistung angetrieben, Geschwindigkeit: 11,8 Knoten (22 km/h). Für den Transport von Gepäckcontainern gibt es einen Kran und Stellflächen auf dem Vorschiff.

Die Harlingerland befördert maximal 635 Passagiere. Sie ist 46 Meter breit. Die Dieselmotoren mit 820 kW Leistung ermöglichen eine Geschwindigkeit von 11 Knoten (21 km/h). Die Harlingerland wurde 1979 in Bardenfleth gebaut und ist ebenfalls mit einem Kran für die Be- und Entladung von Gepäckcontainern ausgerüstet.

Die kleine Harle Sand lief 1972 in Oldersum vom Stapel und verfügt über eine Kapazität von 122 Passagieren. Das Schiff ist 29 Meter lang und 5 Meter breit. Zwei Motoren mit je 175 kW Leistung ermöglichen eine Geschwindigkeit von 9 Knoten (17 km/h). Der geringe Tiefgang von knapp einem Meter erlaubt der Harle Sand auch Ausflugsfahrten in besonders flache Bereiche des Wattenmeers.

Ebenfalls für Ausflugsfahrten in die flachen Gewässer rund um die Insel wird die Jens Albrecht III genutzt. Sie ist 27 Meter lang und 6 Meter breit und bietet bis zu 196 Fahrgästen Platz. Ein ganz besonderes Kleinod bietet die Bahn Hobbyseefahrern mit dem Fischkutter Jens Albrecht II. Auf ihm können Urlauber von Wangerooge oder Harlesiel aus den Krabbenfang live miterleben.

Neben dem Linienverkehr zwischen Wangerooge und Harlesiel absolvieren die Fährschiffe auch Tagesfahrten zur Nachbarinsel Spiekeroog und zu den Seehundbänken. Die Schiffe können außerdem für private Veranstaltungen oder Betriebsausflüge gechartert werden.

Die Inselbahn auf Wangerooge: Watt erleben bei Tempo 20

Seit 1897 sorgt die einzige Meterspurbahn der Deutschen Bahn in den alten Bundesländern für die Mobilität von Insulanern und Urlaubern. Den Fähranleger im Süden und den Ort verbindet ein eingleisiger 4 Kilometer langer Schienenstrang. Auf halber Strecke zweigt eine Stichbahn ab, auf der bei Bedarf Züge zu sechs Kinderheimen und dem Wasser- und Schifffahrtsamt am westlichen Zipfel Wangerooges fahren.

Insgesamt rollt die Inselbahn auf acht Kilometer Gleisen durch Dünen, Salzwiesen und Watt. Bei Tempo 20 – der zulässigen „Höchstgeschwindigkeit“ – bieten sich Reisenden einmalige Ausblicke auf die Tier- und Pflanzenwelt des Nationalpark Wattenmeers. Zwischen dem Fähranleger und der Insel selbst durchquert der Schienenstrang auf einem Damm die Salzwiesen an der Westlagune und zugleich die höchste Schutzzone des Nationalparks. Bei Sturmfluten kommt es vor, dass der Bahndamm überspült wird und vorübergehend nicht genutzt werden kann.

Die Fahrgäste reisen heute in modernen Personenwagen, die 1992/93 vom DB Werk in Wittenberge gebaut wurden. Die Flotte umfasst 14 vierachsige Waggons mit jeweils 70 Sitzplätzen, davon sind drei Mehrzweckwagen mit je 20 Stellplätzen für Kinderwagen und Rollstühle. Die 4 Kilometer weite „Reise“ vom Fähranleger zum Bahnhof dauert etwa 15 Minuten. In der Regel bestehen die Züge aus sechs Personenwagen mit einer Kapazität von rund 370 Sitzplätzen und drei Wagen für den Gepäcktransport. In Spitzenzeiten verkehren zwei Züge pro Schiff.

Die Inselbahn Wangerooge verfügt über vier Diesel-Lokomotiven mit 180 bis 280 PS, die in den Neunzigerjahren gebaut wurden. Außerdem sind auf Wangerooge 35 Güterwagen unterschiedlicher Typen im Einsatz, die Gepäck, Post, Heizöl, Baustoffe, Lebensmittel und anderen Waren transportieren. Für die Instandhaltung der Lokomotiven und Wagen steht eine Werkstatt zur Verfügung.

Großer Bahnhof für eine kleine Insel

Im Zentrum des Inselorts Wangerooge empfängt Reisende seit 1906 ein repräsentatives Bahnhofsgebäude im Jugendstil. Der denkmalgeschützte Bau aus Backstein mit großem Kuppelwalmdach und Uhrenturm wurde 2003 umfassend restauriert und modernisiert. Seitdem erstrahlt auch die Fassade wieder originalgetreu wie bei der Einweihung des Bahnhofs vor knapp hundert Jahren.

Mit neuem Grundriss entstand ein gemeinsames ServiceCenter von Kurverwaltung, Verkehrsverein und Bahn. Fahrkartenverkauf, Zimmernachweis und Strandkorbvermietung sind jetzt unter einem Dach. Außerdem ist der Bahnhof jetzt barrierefrei. Der Bahnsteig wurde 2004 auf einer Länge von 75 Metern überdacht, zudem wurden Bahnsteig und Bahnhofsvorplatz neu gepflastert.

Auch für die Versorgung der Inseln mit Gütern aller Art macht sich die Bahn stark. Seit 2003 steht eine neue Güterhalle zur Verfügung, die die Kapazität des Frachtumschlags um 25 Prozent auf 100 Tonnen erhöhte. Das neue Gebäude mit einer Überdachung von 48 Metern Länge ermöglicht die gleichzeitige Be- oder Entladung von fünf Güterwagen.

Letzte Aktualisierung: 19.04.2016

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